Gemeinde Leutenbach

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Artenvielfalt in der Gemeinde: Wüstenpflanzen

Die Wüste lebt! Das war der Titel einer großartigen Naturdokumentation von James Algar aus dem Jahr 1953. Die Schlagzeile kennt seitdem fast jeder, aber dass wir auch in unserem Gemeindegebiet einen Flecken haben, zu dem die Einheimischen „Wüste“ sagen, ist vielleicht nur Nellmersbachern bekannt.
Auch unsere Wüste im Rotenbühl lebt und ist ein Standort von zwei nicht so häufigen Pflanzenarten. Das Frühblühende Habichtskraut (Hieracium glaucinum) gedeiht in nur wenigen Exemplaren im Schatten des Waldrandes. Unser Frühjahr 2021 war ungewöhnlich und so zögerten sie mit der Blütenbildung. Sie konnten ja nicht ahnen, dass dieses Jahr ein Schäfer mit seiner Herde durch ihren Wuchsort ziehen würde. Wir sind gespannt, wie sich die Pflanzen nächstes Jahr entwickeln werden. Die Schafbeweidung fördert den Artenreichtum und wird deshalb vom Naturschutz unterstützt. Einen optimalen Zeitpunkt für alle Pflanzen wird es wohl aber nie geben.
Die zweite Art, der Gewöhnliche Teufelsabbiss (Succisa pratensis), hatte mit der Schafherde kein Problem. Sein Name leitet sich von seiner Wurzel ab: als Speicherorgan fault sie an ihrem unteren Ende ab und sieht daher wie abgebissen aus. Erst im Sommer treibt der Teufelsabbiss aus und blüht Anfang September auf Magerwiesen und in feuchten Senken auf. Sein Bestand in unserer Wüste ist leider rückläufig. Kaum mehr als vierzig blühende Pflanzen sind noch vorhanden. Eine Nutzungsänderung bedroht zudem seinen Standort.
 
Aber auch Tiere können in unserer Wüste entdeckt werden, wenn man sich Zeit nimmt und ein offenes Auge dafür hat. Winzige Sandkügelchen etwa umgeben die Nistlöcher der kleinen bodenbewohnenden Wildbienen im Frühjahr. Etwa 70% der ca. 500 heimischen Wildbienenarten nisten in der Erde. Einige bewohnen Kleinsäugerhöhlen, andere graben die Niströhren selbst. Wie schaffen diese kleinen Feldweg-Schmalbienen es nur, in den festen Boden bis zu 20 cm tiefe Löcher zu graben und für ihren Nachwuchs zu sorgen?
 
Die Natur ist fast immer voller Leben, wenn der Mensch nicht eingreift. Ob Wüsten, abgestorbene Bäume, Totholz- oder Steinhaufen - selbst die unwirklichsten Flächen werden von Lebewesen und Pflanzen bewohnt, die wir oft nicht einmal wahrnehmen oder sehen. Sie alle verdienen unseren Respekt und Schutz!
Wir veröffentlichen gerne auch Ihre Beobachtungen und Ideen im Amtsblatt. Einfach an d.ruzicka(@)leutenbach.de schicken.

Gewöhnlicher Teufelsabbiss
Gewöhnlicher Teufelsabbiss
Feldweg-Schmalbiene
Feldweg-Schmalbiene