Artenvielfalt in der Gemeinde - Frühes Mähen, der Dolden-Milchstern und das Glück, am richtigen Fleck zu stehen

Unser Mitbürger Axel Prehl setzt unsere Entdeckungstour Artenvielfalt fort, heute mit einer seltenen Pflanze, die wir durch „Nichtstun“ erhalten können:

Wie gehört das alles zusammen? Nun, wir haben uns am Runden Tisch Artenschutz in Leutenbach zusammengefunden und machen uns Gedanken, welche Arten wir bei uns in Leutenbach noch finden, wie wir sie erhalten und ihr Vorkommen stabilisieren und vernetzen können.
 
Wer früh im Jahr, also noch vor Mai sein Stückle mäht, erzeugt eine grüne Fläche, wie sie Golfer gerne haben. Kein Kräutlein kann zur Fruchtreife kommen. Ohne Samen gibt es keine Pflanze, und so bleibt dieses Streuobstrasenstückle eintönig grün. Solange nur wenige Menschen ihr Grundstück so „pflegen“, gehört dieser Rasen ins Mosaik der Landschaft. Vielleicht sieht er ja besonders ordentlich aus, aber nützt er dem Ökosystem Streuobstwiese? Jeder darf natürlich selbst entscheiden, ob er einen grünen Rasen oder eine bunte Wiese mit vielerlei Insekten unter seinen Obstbäumen haben möchte. Unserer Kulturlandschaft steht eine bunte und vielfältige Wiese besser zu Gesicht, finde ich.
 
Der Dolden-Michstern - botanisch Ornithogalum umbellatum. Für ihn haben die Engländer den schönsten Namen gefunden: „Star of Bethlehem“! In der Bachblütentheorie ist er für die Trauma-Bewältigung zuständig. Er kommt aber nicht so häufig vor, in unserer Gemeinde nur an einer Stelle am Rotenbühl. Man sollte ihn nicht ausgraben, denn seine Zwiebeln sind giftig. Wer ihn dennoch gerne im Garten bewundern möchte, kann sich Anfang März beim örtlichen Blumenfachhandel in Nellmersbach umschauen. Er erblüht Ende April, Anfang Mai. Bei Regen schließt er seine Blüten und stellt sie den Insekten erst bei schönem Wetter wieder zur Verfügung.
 
Das Glück, am richtigen Platz zu stehen hat nicht jeder. Hoffen wir, dass „unser“ Stern von Bethlehem weiterhin am rechten Fleck steht. Jedenfalls ist der „Golfrasen“ nur 1 m von seinem Standort entfernt. So kann er bei schönem Wetter strahlen und Insekten ernähren. Durch diese bestäubt, wird er seine Samen im August ausbilden und für den Fortbestand seiner Art sorgen können. Wir freuen uns, wenn wir ihn nächstes Jahr wiederentdecken.
 
Einfach in Zukunft weniger tun und mehr genießen: überall wo es möglich ist, maximal 2x, manche Stellen am besten nur 1x im Jahr, entweder im Frühjahr oder Herbst, mähen.
Auch Sie haben eine seltene Beobachtung gemacht, möchten einfach nur ein schönes Naturerlebnis mit uns teilen oder sich beim Runden Tisch Artenschutz einsetzen? Wir (d.ruzicka(@)leutenbach.de) freuen uns auf Ihre Beiträge und über Ihr Engagement!

Hier haben Wildblumen keine Chance
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Der Doldenmilchstern
Der Doldenmilchstern