Artenvielfalt in der Gemeinde - Ritterfalter in Leutenbach

Schmetterlinge sind zwar sehr beliebt, leider aber auch in unserer Gemeinde rar geworden. Wie viele andere Tiere und Pflanzen leiden sie unter dem fortschreitenden Verlust ihrer Lebensräume. Sie sind die stillen Opfer unserer Gewohnheiten, etwa beim Mähen, Beschneiden oder Zubetonieren. Damit entgehen uns so selten gewordene Beobachtungen, wie sie uns Axel Prehl schildert:
Der Schwalbenschwanz ist der einzige Vertreter der sehr farbenfrohen Familie der Ritterfalter, der in unserer Gemeinde ab und an zu sehen ist. Nachdem 2019 ein Hagelschauer alle Raupen der Sommergeneration zerstört hatte, haben wir keine Falter mehr entdecken können.
Erst dieses Jahr entwickelten sich wieder vier Raupen dieses seltenen Großfalters auf den Fenchelpflanzen am ortsnahen „Blütenfeld“ in der Höllachaue. Innerhalb von drei Wochen fressen die Raupen erst ihre Eihülle und dann so viel sie nur können, um sich später, nach fünf Häutungen, einen sicheren Platz zur Verpuppung zu suchen. Ungefähr zwei Wochen danach schlüpfen dann die Falter, suchen sich einen Partner und legen Mitte August schon wieder ihre Eier.
Kürzere Tage und kühlere Temperaturen lassen die Raupenentwicklung nicht ganz so schnell voranschreiten. Mitte September findet man die fast ausgewachsenen Raupen auf den vor der Ernte stehenden Karotten- oder Dillpflanzen. Diese Pflanzen aus bestem Anbau sind nicht nur gut für uns Menschen: Karotten für die Menschen und ein Teil des Blattgrüns für die Schwalbenschwanzraupen - so funktioniert achtsames und nachhaltiges Gärtnern in den Kurzen Sauäckern zum Wohle der Artenvielfalt. Eine sorgsame Überwinterung der Schmetterlingspuppen im Außenklima garantiert den Erhalt der Art in unserer Gemeinde. Vielleicht entdecken Sie einen dieser doch recht seltenen Schmetterlinge auf Ihrem Schmetterlingsflieder oder anderen Blühpflanzen in einer Ecke Ihres Gartens, die den Faltern als Tankstelle dienen.
Sollten Sie in Ihrem Garten Karotten, Dill oder Fenchel anbauen und das Glück haben, dass kleine Räupchen wie auf dem Bild in den Blättern fressen, ernten Sie diese Pflanzen bitte nicht. Sorgen Sie für ein paar feste Stängel in der Nähe, die bis Mitte Mai nächsten Jahres stehen bleiben dürfen. Dann erst wiederholt sich der Jahreslauf dieses wunderschönen Schmetterlings. 

Farbenfrohe Raupe des Schwalbenschwanzes
Farbenfrohe Raupe des Schwalbenschwanzes

Wenn Sie keine Möglichkeit zur sicheren Überwinterung der Schmetterlinge bieten können, melden Sie sich bitte beim NABU.
Aber auch andere Schmetterlinge brauchen unsere Mitarbeit. Einzelne Brennnesselbüsche sind zur Zeit von den schwarzen Raupen des Tagpfauenauges belegt. Meist sind sie in kleinen Gespinsten versteckt, als dunkle Klümpchen in Gruppen versammelt. Sollten Sie solche „Nester“ entdecken, lassen Sie bitte den Busch noch stehen oder mähen (wenn überhaupt) erst Mitte/Ende September. Das gibt den Faltern die Möglichkeit, sich fertig zu entwickeln. Sie schlüpfen dann und überwintern als Falter in der Kanalisation oder in anderen frostfreien geeigneten Verstecken.

Seltener Schwalbenschwanz
Seltener Schwalbenschwanz

Bitte bieten Sie den 6-beinigen Mitbewohnern unseres Planeten eine kleine „Ecke“ in Ihrem Garten/ auf Ihrem Stückle, die sich selbst entwickeln darf, ohne ständige menschliche Pflegeeingriffe.
Schon unsere Kindegarten- und Schulkinder haben, wie im Amtsblatt berichtet, die vollständige Entwicklung von Distelfaltern erleben dürfen. Es war bestimmt eindrucksvoll und auch sehr schön, die Umwandlung zu beobachten und die Schmetterlinge danach der Natur zurückzugeben.