Ehemaliger Steinbruch: Von der „Wüste“ zum Naturrefugium

In Weiler zum Stein gibt es einen Ort, der einlädt zum Entspannen, Entschleunigen, Abschalten und zum Bestaunen der Natur: Im renaturierten Steinbruch zeigt die Natur ihre ganze Kraft und Stärke, indem sie die ehemalige Gesteinsabbaustätte zurückerobert und wieder in ihren Besitz genommen hat.

Früher trafen sich die Weilermer in „ihrer Wüste“. Sie meinten den Steinbruch, in dem zwischen 1961 und 1994 von der Firma Klöpfer Muschelkalkgestein abgebaut wurde. Die Gesteinsabbaustätte wurde von 2005 bis 2007 im Rahmen von wohlüberlegten, planvollen Pflege- und Rekultivierungskonzepten renaturiert und damit das Steinbruchgelände wieder der Natur überlassen. Dabei wurden rund 40.000 Kubikmeter Erde verschoben.

Seitdem hat sich auf den renaturierten Flächen eine eindrucksvolle Wiederbesiedelung vollzogen. Mehr als 700 Tier- und Pflanzenarten - Insekten und Vögel - finden hier ihren Lebensraum. Das rund acht Hektar große Areal hat sich als neue Landschaft in die bestehende Umgebung eingefügt und ist mit ihr zu einer grünen Oase verschmolzen. „Das ist etwas ganz Natürliches. Flora und Fauna kehren in alte oder in neue Landschaftsformationen zurück. Es vollzieht sich meist überraschend Interessantes“, hält das Buch „Steinbruch im Profil“ fest, welches die Firma Klöpfer als Abschlussdokumentation der Rekultivierungsmaßnahmen herausgegeben hat.

Darin heißt es weiter im Kapitel „Ein Weg zu respektvollem Miteinander“:

„Steinbrüche sind vorübergehende Eingriffe in die Natur, sie werden nach strengen Auflagen rekultiviert und renaturiert“. Bürgermeister Jürgen Kiesl schreibt im Nachwort: „Die Firma Klöpfer und ihre Ingenieure kamen auf die brillante Idee, das Modell der Rekultivierung auf einen See, Felswände, Trockenrasen, Obstwiese und einen bewaldeten Hang umzuplanen. Dank dieser Art der Rekultivierung bleibt nicht zuletzt die Erinnerung an den früheren Steinbruch lebendig.“

Erinnerungen sind reichlich vorhanden. So war der ehemalige Gemeindesteinbruch zu Zeiten der Abbautätigkeit eine finanzielle Einnahmequelle für die Gemeinde. TSV und weitere Vereine kamen über Spenden und Zuschüsse für die Jugendarbeit zu Mehreinnahmen und die Gemeindehalle konnte finanziert werden. Heute, 30 Jahre nach seiner Stilllegung und mehr als 15 Jahre nach der von der Firma Klöpfer finanzierten Renaturierung, besteht der „Reichtum“ des Areals vielmehr in seinem hohen Stellenwert als Ruhe-Oase im Grünen. Es tut Geist und Seele gut, sich hier achtsam und respektvoll zu bewegen und aufzuhalten. Im Rahmen von Naturkooperationen mit Schulen, so etwa mit der Grundschule Weiler zum Stein, lernen auch Kinder bei geführten Exkursionen und Schulstunden im Grünen viel Interessantes über die Natur in ihrer direkten Umgebung.

Umgeben von grüner Pflanzenwelt und Stille, braucht es einiges an Phantasie, sich auch daran zurückzuerinnern, wie es hier während der Nutzung als Steinbruch ausgesehen hat, als mit Baggern und schwerem Gerät der Muschelkalk abgebaut und zur Weiterverwendung im Straßenbau wegtransportiert wurde. Denn diese Spuren der industriellen Vergangenheit sind unter reichlich Vegetation von der Bildfläche verschwunden und einer vielfältigen Flora und Fauna gewichen. In der einstigen „Wüste“ ist ein Naturrefugium erwacht.

Im Nachwort des Buches „Steinbruch im Profil“ schreibt Bürgermeister Kiesl: „Mit einem fulminanten Schlusspunkt einer rund 50-jährigen Geschichte des Steinbruchs hat die Firma Klöpfer die Weilermer Bevölkerung nicht nur für manche Belastung der Vergangenheit entschädigt, sondern zugleich ein Naturdenkmal von dauerhaftem Wert geschaffen. Die vertrauensvolle Verbindung zwischen der Firma Klöpfer, den Genehmigungsbehörden und der Gemeinde Leutenbach ist zu einer wertvollen Komposition geworden.“

Steinbruch Weiler zum Stein – Naturparadies mit klaren Regeln

Der ehemalige Steinbruch in Weiler zum Stein ist ein Beispiel für gelungene Rekultivierung. Nach dem Ende des Gesteinsabbaus haben wir das Gelände in Zusammenarbeit mit dem Naturschutz behutsam der Natur zurückgegeben. Wo früher Stein gebrochen wurde, sind heute ein See und wertvolle Lebensräume entstanden – Heimat für Fledermäuse, Spechte, den Eisvogel und viele weitere Arten. Dass dieser besondere Ort so viele Menschen begeistert, freut uns sehr.


Damit das so bleibt – und damit niemand zu Schaden kommt – bitten wir um Ihre Rücksicht:

Der See ist bewusst der Tier- und Pflanzenwelt vorbehalten und kein Badegewässer. Das Betreten des eingezäunten Geländes sowie Baden, Schwimmen und das Springen von den Felswänden sind verboten – und lebensgefährlich. Das Wasser ist in der Tiefe sehr kalt, der Grund fällt steil ab, dicht unter der Oberfläche liegen Felsvorsprünge, und es gibt weder Badeaufsicht noch Rettungsschwimmer. Für Rettungskräfte ist das Gelände nur schwer und langsam erreichbar. An vergleichbaren Steinbruchseen ist es bereits zu tödlichen Unfällen gekommen. Bitte gehen Sie dieses Risiko nicht ein und halten Sie insbesondere Kinder und Jugendliche davon ab.


Das Gelände ist eingezäunt und mit Verbotsschildern versehen. Das Beschädigen von Zaun und Schildern sowie das Betreten trotz Verbots sind Straftaten, die wir konsequent zur Anzeige bringen.


Den Reiz dieses Ortes können Sie ganz gefahrlos genießen: von den umliegenden Wegen aus, mit Blick auf See und Steilwände – gern auch im Rahmen der naturkundlichen Führungen des NABU.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Klöpfer GmbH & Co. KG (Eigentümerin des Geländes) – in Abstimmung mit der Gemeinde Leutenbach