Artenvielfalt in der Gemeinde - Lesesteinhaufen

Der Landschaftspark Höllachaue ist seit kurzem um einen Steinhaufen reicher. Kein Abfallhaufen, sondern ein neuer, ergänzender Lebensraum, den unsere Bauhofmitarbeiter für Reptilien und andere kleine Tiere aus wiederverwertetem Material errichtet haben. Etwa aus Felsen, auf die man bei der Sanierung der Rems-Murr-Halle gestoßen ist, aus zurückgebauten Schotterflächen in der Mühlefeldstraße sowie nicht mehr benötigtem Sand. Weitere Lesesteinhaufen folgen.
 
Beim Pflügen von Ackerflächen werden regelmäßig kleinere und größere Steine an die Oberfläche befördert. Früher wurden sie von den Landwirten aufgelesen und am Feldrand neben oder zwischen Feldhecken zu Steinhaufen geschichtet. Sie waren Teil unserer traditionellen und reichhaltigen Kulturlandschaft, die heute kaum mehr besteht.
Denn Hecken und Steinhaufen stören bei der Bewirtschaftung und gelten als unaufgeräumte Landschaftselemente. Dabei sind sie für Reptilien (Eidechsen oder Blindschleichen) und Kleintiere (Spinnen, Insekten, Schnecken und Kleinsäuger) ein wichtiger, sehr selten gewordener Lebensraum. Sie können sich auf den Steinen sonnen, sich in ihnen vor Fressfeinden verstecken, ihr frostfreies und trockenes Winterquartier aufschlagen oder ihre Eier oder Brut ablegen bzw. aufziehen.
 
Ältere Steinhaufen sind darüber hinaus auch Lebensraum für Pflanzen, die extreme Standorte und saubere Luft benötigen wie etwa Flechten und Moose. Efeu, Waldrebe, wilder Majoran, alle Mauerpfefferarten, der Blut-Storchschnabel oder etwa das Frühlingsfinderkraut wachsen auf der sonnenabgewandten Nordseite besonders gut.

Ein zum Teil bewachsener Steinhaufen sorgt für eine nützliche Lebensgemeinschaft zwischen Pflanzen und Tieren, von der auch wir Menschen nicht nur durch viele Beobachtungen profitieren. Dieses attraktive und für den Artenschutz wertvolle Element wartet lediglich in vielen Privatgärten auf die Umsetzung.

Neuer Lesesteinhaufen im Landschaftspark
Neuer Lesesteinhaufen im Landschaftspark